Ministerpräsident Boris Rhein hält die internationale Strategie der Hessischen Landesregierung für den Schlüssel zu mehr Handel, Investitionen und Fachkräften. In seiner Rede im Hessischen Landtag sagte Rhein am Mittwoch, seine jüngste Reise nach Indien, bei der ihn eine große Wirtschaftsdelegation begleitet habe, sei ein gutes Beispiel dafür, wie Hessen internationale Chancen aktiv für sich nutze. „Mit Indien öffnet sich eine der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt für Europa. Das ist eine riesige Chance. Wir haben deshalb in Neu-Delhi und in Mumbai unserer Wirtschaft Türen geöffnet. So machen wir aus Chancen konkrete Vorteile für Unternehmen und Beschäftigte.“
Hessen sei als Investitionsstandort international überaus attraktiv, sagte der Regierungschef. Seit 2024 seien hier Großinvestitionen von mehr als 25 Milliarden Euro angekündigt oder schon realisiert worden – unter anderem bei Pharma, Industrie, Rechenzentren, Luftfahrt und Logistik. „Über 25 Milliarden Euro neue Investitionen in Hessen – das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis einer Politik, die Unternehmen nicht vertreibt, sondern willkommen heißt“, sagte der Ministerpräsident. Als Beispiele nannte er den geplanten Laserfusionshub in Biblis sowie den Ausbau des „Defence Hub Nordhessen“ mit dem Unternehmen Rheinmetall. Indien habe vor allem bei der Fusionsforschung, beim Innovations- und Technologietransfer und in der Verteidigungsindustrie großes Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen signalisiert.
Branchen im Land profitieren
Der Regierungschef hob hervor, dass in einem „neuen Zeitalter der Geoökonomie“ Wirtschaftspolitik, Sicherheitspolitik, Energie, Rohstoffe und Außenpolitik eng miteinander verbunden seien. „Wer in dieser neuen Welt nicht in der Lage ist, eigene Interessen zu definieren, strategische Fähigkeiten zu schützen, internationale Partnerschaften auf Augenhöhe aufzubauen und erfolgreiche Deals zu verhandeln, wird im globalen Wettbewerb zurückfallen.“
Entscheidend für internationale Standortpolitik ist nach Rheins Worten der freie und regelbasierte Handel. Das bevorstehende Inkrafttreten des EU-Indien-Freihandelsabkommens – voraussichtlich Anfang 2027 – sei deshalb ein Glücksfall für Hessen. Das Abkommen senke Handelsbarrieren und verbessere den Zugang hessischer Unternehmen zu einem der dynamischsten Wachstumsmärkte der Welt. Der Regierungschef sagte: „Wir waren deshalb zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien macht den Handel spürbar einfacher – mit klaren Zollregeln, weniger Verfahren, einfacheren Ursprungserklärungen und verlässlicheren Lieferketten.“ Von den künftig deutlich niedrigeren Zolltarifen Indiens profitieren besonders Branchen wie Pharma, Chemie, Automobil und Maschinenbau, in denen Hessen stark ist, wie Rhein sagte.
Bürokratieabbau als Standortvorteil
Wie internationale Partnerschaften konkret zum Standortvorteil werden können, zeigt nach den Worten des Ministerpräsidenten die während der Reise geschlossene Gemeinsame Absichtserklärung (MoU) zwischen Hessen und dem indischen Bundesstaat Maharashtra mit rund 130 Millionen Einwohnern und der Hauptstadt Mumbai. Rhein sieht darin den Beginn einer langfristigen Partnerschaft zwischen zwei wirtschaftsstarken Regionen: „Frankfurt ist das Finanzzentrum Europas. Mumbai ist das Finanzzentrum Indiens. Wenn wir diese beiden Kraftzentren enger miteinander verbinden, schaffen wir eine neue Brücke zwischen zwei der wichtigsten Wachstumsräume der Welt.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche in Indien war dem Ministerpräsidenten zufolge die Gewinnung von Fachkräften. Hessen wolle dazu Anerkennungsverfahren beschleunigen, stärker digitalisieren und so die Zuwanderung von Fachkräften erleichtern. „Wer als Fachkraft zu uns kommen will, darf nicht zuerst lernen müssen, wie deutsche Bürokratie funktioniert – sondern soll möglichst schnell dort arbeiten, wo er gebraucht wird“, sagte Rhein und ergänzte: „Deshalb ist der Bürokratieabbau in Hessen ein echter Standortvorteil.“ Mit einer „Fast Lane“ für Fachkräfte und einer Genehmigungsfiktion für im Ausland erworbene Berufsqualifikationen beschleunige Hessen die Verfahren und mache den Arbeitsmarkt durchlässiger. Die Landesregierung wolle gezielt dort um Talente werben, wo diese ausgebildet würden. „Wir wollen nicht länger darauf warten, dass die Fachkräfte zu uns finden. Wir gehen dorthin, wo die Talente sind – und holen sie nach Hessen.“