Ministerpräsident Rhein hat die New York Stock Exchange besucht, sich mit NYSE-Strategiechef Will Goodwin über die internationalen Kapitalmärkte ausgetauscht und für eine lebendige Aktienkultur in Deutschland geworben.
Ministerpräsident Boris Rhein will die Verbindung zwischen den Finanzplätzen New York und Frankfurt weiter vertiefen. Bei einem Besuch der weltweit größten Börse, der New York Stock Exchange (NYSE), warb er für einen engeren Austausch zwischen den beiden internationalen Finanzmetropolen und für Hessen als weltweit bedeutenden Wirtschaftsstandort. Rhein, der am Donnerstag den 8. Oktober an der Wall Street beim legendären Läuten der 16-Uhr-Glocke („Closing Bell“) dabei war, die das offizielle Ende jedes Handelstags signalisiert, sagte: „Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank, EU-Behörde zum Kampf gegen Geldwäsche und mehr als 200 internationale Banken – wer in Europa strategisch agieren will, kommt an Frankfurt nicht vorbei. Frankfurt ist als Börsenplatz das kontinentaleuropäische Gegenstück zu New York. Die Mainmetropole verbindet Finanzkraft, regulatorische Kompetenz und technologische Leistungsfähigkeit.“ Als internationales Finanzzentrum ist Frankfurt nach Rheins Worten das Tor nach Europa und damit ein wichtiger Zugang für amerikanische Unternehmen und Investoren zu den europäischen Märkten. „Unsere beiden Finanzmetropolen sind weit mehr als nur Handelsplätze für Aktien und Anleihen. Sie sind Triebfedern unserer gemeinsamen Wirtschaftsgemeinschaft. Gerade deshalb müssen wir die europäischen Finanzplätze weiter stärken, Frankfurt international noch enger vernetzen und den direkten Austausch mit den weltweit führenden Börsen suchen.“
Deutschland braucht eine lebendige Aktienkultur
Im Gespräch mit Vertretern der NYSE tauschte sich der Regierungschef über die Entwicklung der internationalen Kapitalmärkte, technologische Veränderungen in der Finanzwirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Kapitalmärkte aus. Zugleich warb er für einen offeneren Umgang mit Aktieninvestments: „Deutschland muss den Kapitalmarkt stärker in den Blick nehmen und eine lebendige Aktienkultur entwickeln. Der Kapitalmarkt darf nicht vor allem als Risiko gesehen werden, sondern muss als unverzichtbarer Faktor unserer Wohlstandssicherung verstanden werden. Die USA zeigen eindrucksvoll, welche Bedeutung ein leistungsfähiges Finanzsystem für die Finanzierung von Unternehmen hat.“
Rhein traf auf dem Börsenparkett außerdem die Händler-Legende Peter Tuchman, der wegen seiner Frisur auch „Einstein der Wall Street“ genannt wird. Tuchman, der seit mehr als 40 Jahren an der New Yorker Börse arbeitet, wird seit Kurzem mit einer eigenen Bronze-Statue im Börsengebäude geehrt.